20-jähriges Bühnenjubiläum
(von Martin Woltersdorf)

Schilds Balladen!

"Ride on, ride on". Udo Schild; Sänger und Soul-Brother, fingert in den Saiten der Gitarre, Xaver Fischer, der Pianist, legt ein paar Töne hinzu, und ab geht es in die Stille der Songs, "ride on". Schilds Stimme, ein dunkelkehliges Grummeln, gräbt sich ein in Emotionen, Grooves knistern; die zahlreich erschienenen Zuhörer im Stadtgarten geraten langsam in Bewegung. Als Leon Delray schürfte Udo Schild jahrelang im Nährboden des Funk, "internationale Musik braucht eben einen internationalen Namen". Jetzt, mit wiedererlangter, wahrer Identität, wechselte er zum Rhythm 'n' Swing des Jazz, in die Nachtschwärze der Balladen. Die Ruhe, die Schild und Fischer verbreiten, brechen die anderen Mitstreiter nach und nach auf: Volker Heinze (Baß), Bert Snaak (Schlagzeug), Ansgar Buchholz (Vibraphon), Claudius Valk (Tenorsaxophon). Die Songs bekommen sozusagen die zweite Luft und schwingen sich hoch auf Session Ebene. Schilds letzte CD, "Morning", vermittelte dies bereits in erstaunlicher Abgeklärtheit, doch live startet er mit einem Stück aus "Autumn in June": "Sayin' a prayer for you". Im zweiten Set hängt Schild die E-Gitarre um, Atti Hoppmann pumpt funky E-Baß-Läufe, Paul Shigihara und Michael Heupel bereichern die Frontlinie, die "Sookie All Stars" verwischen die verhaltene Stimmung des Jazz und drükken aufs Tempo. Leinen los für eine Band, die auf mächtigen SoulWellen vorwärtstreibt, und "Stars" in den Reihen hat, die sich aus dem Rhythmusstrom lösen können. Der Sänger Schild gibt nun dem Gitaristen Schild den Vorrang, ohne dabei an Präsenz zu verlieren. "Ride on, ride on", der Ansporn des Anfangs hält bis zum Schluß.